Jahresrückblick 2021

| 29.12.2021 |

Gedanken zu Weihnachten und zum neuen Jahr

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Das Jahr 2021 ist nun fast zu Ende. Vor uns liegen die Weihnachtsfeiertage und der Wechsel in ein neues Jahr 20222. Beim Versuch einen Rückblick über das vergangene Jahr zu halten, landet man unvermeidbar bei dem einen alles beherrschenden Thema. Genau darüber zu sprechen möchte ich vermeiden.

Also habe ich mir überlegt, meine Gedankenansätze zu Wirtschaft, Volkswirtschaft und auch ein bisschen meine philosophischen Überlegungen zur Zukunft, mit Ihnen zu teilen. Um Ihnen über die Feiertage vielleicht den einen oder anderen Gedankenanstoß zu geben.

Daher sind diese Gedanken teils sehr theoretisch aber auch teils mit vielen eigenen Meinungen gespickt. Wobei sie sich eher weniger mit der Steuergesetzgebung beschäftigen – da diese ja „nur“ ein Ausfluss aus dem Gesamtzusammenhang darstellt.

Ich habe in den vergangenen Monaten viel über unsere Wirtschaft, die Entwicklungen, die Strömungen nachgedacht, wie sie uns in den nächsten Monaten, Jahren beschäftigen werden. Was für Themen auf uns – als Unternehmer – zukommen werden. Diesem Thema – unserer Zukunft – möchte ich hier zum Jahresabschluss 2021 Raum geben.

Nachdem meine Gedanken sehr ausführlich geworden sind und nicht jeder die Lust hat, alles zu lesen – darf ich gleich an dieser Stelle, all jenen, die jetzt hier aufhören zu lesen, sagen:

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, Ihren Liebsten, Ihrem Umfeld, Ihren Mitarbeitern, Ihrem Unternehmen als Ganzes auf diesem Weg ein friedliches, ruhiges, besinnliches, entspanntes und vor allem wunderschönes Weihnachtsfest. Einen guten Rutsch ins neue spannende Jahr 2022 - auf eine gute Zusammenarbeit und ein Wiedersehen im neuen Jahr freue ich mich

Danke für Ihr Vertrauen, das Sie in mich und mein Team setzen!

Einleitung

Unternehmer – als Persönlichkeiten – dürfen die unglaubliche Fähigkeit ihr Eigen nennen, in widrigen Situationen, zeigen zu können, wie sie aus der Asche emporsteigen und sich wieder erheben können. Kaum ein Unternehmer hat nicht schon mal am Boden gelegen und ist am nächsten Tag aufgestanden, hat weitergemacht und etwas erschaffen, das besser war, als das Vorprodukt. Um diese Fähigkeit allerdings effizient nützen zu können, ist es aus meiner Sicht auch wichtig, zukünftige Einflüsse, Entwicklungen mitzudenken, miteinzubeziehen und für alle Entwicklungen auch mögliche Back-up-Pläne bereit zu halten.

Was also waren die zukünftigen Einflussfaktoren, die mich in den letzten Monaten in Gedanken beschäftigt haben?

  • Die demografische Entwicklung unserer Gesellschaft in Österreich bzw. im europäischen Zentralraum
  • Die wirtschaftliche Entwicklung – die Dynamik in der Entwicklung, die Dynamik in der Steigerung der Wirtschaftsleistung
  • Die steigenden bzw. auf einem Allzeithoch befindlichen Börsenkurse sowie Immobilienpreise
  • Die steigende Inflation und damit einhergehend der Kaufkraftverlust im Privaten

Und noch einige mehr. Auf diese oben beschriebenen lohnt es sich allerdings einen genaueren Blick zu werfen, da diese das Unternehmerleben meiner Meinung nach in den nächsten Jahren sehr prägen werden.


Die demografische Entwicklung

Viele wissen das schon seit langem, die Babyboomer-Generation geht in den nächsten rund 5 Jahren in Pension. Das alleine wäre jetzt noch kein Grund sich darüber Gedanken zu machen. Allerdings kommen in den nachfolgenden Generationen kaum mehr so viele Menschen nach, die die Unternehmen, die Personalkraft der in Pension-gehenden Generation aufwiegen könnten. Das Bildungsniveau hat weiters, ausgelöst durch die letzten 2 Jahre massive Einschnitte erhalten, die Auswirkungen daraus, werden wir allerdings erst in den nächsten 10 Jahren sehen. Die Sterblichkeit ist gestiegen, was in kürzerer Lebenserwartung und steigenden Kosten im Gesundheitssystem (mehr Krankenstände) resultiert. Der Wunsch des Menschen nach mehr „Freizeit“ ist fast übermächtig geworden. Viele Unternehmer merken, dass die Fluktuation gestiegen ist, dass die Suche nach qualifiziertem (aber auch unqualifiziertem) Personal schwieriger denn je geworden ist. Und viele fragen sich wohin das gehen soll.

Meine persönliche Meinung in diesem Bereich ist, dass Unternehmer dringend umdenken müssen – sofern sie es noch nicht gemacht haben. Die Automatisierung, Digitalisierung in allen Unternehmensbereichen sollte schneller und konsequenter umgesetzt werden um von der Ressource Personal soweit wie möglich unabhängig zu werden. Dies nicht nur aufgrund der Ressourcenproblematik sondern auch vor dem Hintergrund, dass die rechtlichen Regularien – vor allem in Österreich – immer strenger werden und die Verwaltung nicht vereinfachen sondern eher noch mehr erschweren.

Personal wird also teurer, weniger planbarer, schwieriger zu akquirieren, mit weniger Zeitressourcen ausgestattet.

Die Planbarkeit der Ressourcen ist auch in den anderen Überschriften die zentrale Komponente, die die nächsten Jahre massiv beeinflussen wird.


Die wirtschaftliche Entwicklung
(Dynamik, Börsengeschehen, Immobilienpreise, Inflation)

Es ist in vielen Bereichen eine unglaubliche Dynamik spürbar. Diese positive Kraft führt zu Wirtschaftsaufschwüngen und –leistungen. Man hatte in 2021 nicht das Gefühl in einer Wirtschaftskrise festzustecken sondern eher von einem fast nahtlosen Anknüpfen an die Dynamiken, die bereits Anfang 2020 zu merken waren. Unternehmer waren sehr einfallsreich, dies führte in weiterer Folge dazu, dass die Nachfrage scheint relativ ungebrochen zu sein scheint. Und in vielen Bereichen waren kaum Abschwünge zu verzeichnen.

Die gesellschaftlichen Bereiche – Gastronomie, Veranstaltungsbranche, Tourismusbetriebe und die persönlichen Dienstleistungsbereiche – mal ausgenommen von diesen Gedankengängen. Aber auch hier gab es in vielen Bereichen – teilweise auch durch die Hilfen gestützt – manchmal kaum merkbare Auswirkungen; manchmal natürlich aber auch massive Einbrüche. Diese konnten aber in manchen Fällen durch neue Ideen, neue Unternehmensausrichtungen abgefedert werden. In manchen Fällen gelang das leider nicht.

Grundsätzlich ist diese Dynamik eine sehr faszinierende und eine sehr spannende und positive Sache für unser aller Zukunft.

Die Frage ist allerdings, wie sich diese Dynamik fortsetzt und wie lange es ein „mehr und mehr und immer mehr“ geben kann, bei gleichbleibenden oder sinkenden Ressourcen. Dies ist eine Fragestellung mit der ich mich persönlich seit vielen Jahren beschäftige, wann hier der Abschwung gegeben sein wird. Ein immer „mehr und mehr“ und nach oben kann aus meiner persönlichen Meinung heraus nicht funktionieren. Es muss – vor dem Hintergrund von Konjunkturzyklen, Volkswirtschaftslehre und auch aus dem Bereich der Psychologie, dem ineinandergreifen von Gegensätzen (Stichwort Yin und Yang) – irgendwann auch ein „weniger“ wieder Einzug finden.

Aus einer persönlichen Meinung heraus – und so wichtig und wertvoll eine solide Planung und eine solide Zielsetzung ist – sind wir an einem Punkt angelangt, an dem diese einen sehr beschränkten Zeitraum nur noch umfassen wird. Die Planungsfähigkeit anhand von Konjunkturzyklen und Wirtschaftsleistungen ist ein Konstrukt, das über die letzten 50 Jahre gut funktioniert hat, aber es ist einem spürbaren Wandel unterworfen.

Welcher sich unter anderem in der Entwicklung von Zinssätzen, dem Finanzmarkt, der Zinspolitik der Zentralbanken, dem Förderwesen/Konjunkturunterstützungsprogrammen der Staaten widerspiegelt. Die Auswirkungen aller dieser gesetzten Schritte der letzten zwei Jahre quer durch alle Staaten hindurch, das Ansteigen der diversen Kurse/Preise/Inflation, werden ihr übriges zu einem Sinken der Wirtschaftsleistung beitragen.

Die vorhandene Geldmenge und die immer höher ansteigende Geldmenge werden in einem nächsten Schritt zu einem Abflauen der Wirtschaftsleistung führen müssen. Da dies unter anderem eines der wesentlichsten Gesetze in der Volkswirtschaft ist (wenn man sich vor allem mit den Lehren von Keynes – die sich in mein Denken eingebrannt haben- beschäftigt und diese hinterfragt).

Inflation – die vorhandene Geldmenge wird weniger wert; Immobilienpreise, Rohstoffpreise, Preisanstiege der vorhandenen Produkte führen ebenso zu einer Verringerung des Geldwertes. Das Gefühl der Unsicherheit in Sachen Geldsicherheit führt weiters zu einem schwindenden Vertrauen in Banken und die Anlagesicherheit – weswegen sich manche in Hochrisiko Produkte, die gerade im Entstehen sind, flüchten und ihr Vertrauen in diese setzen. Was in weiterer Folge zu einer Verringerung der Geldmenge führen kann, wenn diese Produkte – aufgrund des hohen Risikos – von heute auf morgen ihren Wert verlieren und das Geld weg ist.

Die Flucht in Immobilien führt zu einem noch nie dagewesenen Bauboom, zu einem Anstieg der Rohstoffpreise (aufgrund dieses Booms) und einem Anstieg der Grundstücks- und Immobilienpreise.

Da viele ihr Geld lieber aufgehoben in sicheren Anlagen (Immobilien, Gold, Silber, beständigen Anlagen) wissen wollen anstatt in Hochrisiko Produkten. Das Geld soll den Wert nicht verlieren. Der Bauboom, der momentan allerdings herrscht, berücksichtigt ebenso nicht, dass es generell in den nächsten Jahren/Jahrzehnten meiner Meinung nach zu einer Bevölkerungsreduktion kommen muss (aufgrund der Demografie – wie vorhin bereits erläutert). Weiters stellt sich meiner Meinung auch die Frage, inwiefern die Investition in immer mehr und mehr neue Bürogebäude und –objekte an Sinn gewinnt, wenn die Tendenz in Richtung Digitalisierung zunehmen soll, Arbeit weitestgehend von zuhause erledigt werden soll und die Flexibilität der Ressource Personal diesbezüglich gefördert wird (Stichwort: HomeOffice-Möglichkeiten und Förderungen, kürzere Reichweite von E-Mobilität).

Die kritischen Fragen, die ich mir dabei stelle:

Wer braucht immer und immer mehr Büroflächen? Wenn genau jeder m2 Bürofläche Kosten für den Unternehmer verursacht, die er wirtschaftlich nicht benötigt, wenn seine Mitarbeiter sowieso im Homeoffice von eventuell überall auf der Welt – gerade in der Verwaltung und im Dienstleistungsbereich – arbeiten können (unabhängig von steuerlichen Thematiken).

Wer kauft den neuesten errichteten Wohnblock, das neu errichtete Haus, wenn man gar nicht mehr so viel Wohnfläche pro Kopf braucht, weil die Bevölkerung insgesamt schrumpft und viele zB Häuser/Grundstücke erben werden, selbst Eigentum haben und dann auf einmal alles doppelt haben?

Zuwanderung selbst ist ja ein sehr kontroverses Thema, welches man ja tunlichst versucht zu vermeiden und zu reglementieren. Mit dieser könnte man all diese Flächen eventuell befüllen, aber wäre das in weiterer Folge ein Modell, das man haben möchte und sind diese Flächen dann tatsächlich noch das wert, das man heute ausgegeben hat?

Wieviel Gewinne und Rendite erwartet man sich für das eingesetzte Kapital gerade? Welche Mieten sind Privatpersonen und Unternehmer bereit zu zahlen für – momentan definitiv – sehr teure Immobilien? Die eventuell in ein paar Jahren nicht mehr diesen Wert haben werden?

Also auch in diesem Bereich sehe ich eine mittelfristige Reduzierung der Geldmenge, durch weniger Nachfrage aber übermäßig vorhandenem Angebot. Durch zu wenig verfügbares Geld und zu wenig Investoren.

Also meine Lieblingsfrage, die ich seit 2 Jahren höre: Was meinst du, in was soll man denn jetzt investieren? Meine Lieblingsantwort darauf: Ich weiß es nicht, vielleicht weiß das der Banker deines Vertrauens? Weil es keine Antwort gibt.

Die Frage, die mich dazu bewogen hat, gerade bei Immobilienpreisen nochmal genau zu überlegen – hat eine Bankangestellte Anfang 2020 in einem Gespräch gestellt, als sie Folgendes sagte:

„Danke für die Bewertung und ja ich glaube schon, dass das Objekt das wert ist – aber wissen Sie: Das Objekt ist nur das wert, was ein anderer bereit ist tatsächlich zu bezahlen.“

Und diese Anmerkung bringt alle derzeitigen Überlegungen auf den Punkt. Sind die Dinge noch das wert, was jemand bereit ist zu zahlen? Und wie lange ist noch jemand bereit das zu zahlen? Und wann ist der Zeitpunkt gekommen, wo sich das Rad in die andere Richtung dreht?

Diesen Zeitpunkt vorherzusagen, ist die Herausforderung die uns derzeit begleitet und welche Vorkehrungen Unternehmen jetzt treffen können, um im Fall des Falles diesen Abschwung dennoch halbwegs unbeschadet zu überstehen.

Die Frage ist auch dann, welche Maßnahmen dann noch von Seiten der öffentlichen Hand gesetzt werden um diese Spirale in den Griff zu bekommen und wie diese Instrumente – vor dem Hintergrund der letzten Jahre – tatsächlich noch greifen und den gewünschten Effekt erzielen werden.


Conclusio

Ich hatte mir fest vorgenommen, positiv zu schreiben und positive Ansätze zu formulieren. Die wirtschaftlichen Fragestellungen – die teilweise jedoch doch sehr kritisch sind und viele kleine Details enthalten – haben das leider nur unmöglich gestaltet.

Ich möchte abschließend und zusammenfassend nur festhalten, ich sehe das Leben nicht so kritisch, wie oben beschrieben, wollte aber meine kritischen Gedanken einmal zu Papier bringen und gerne mit Ihnen teilen. Vielleicht ist ja, der ein oder andere Gedankenanstoß oder die ein oder andere Überlegung enthalten, die Ihnen persönlich eine neue Entscheidungsgrundlage aufzeigt, zu einer verhilft oder Sie unterstützt.

Vielleicht ist es aber auch ganz gut, sich mit einer notwendigen und manchmal auch gebotenen Vorsicht, mit Themen auseinanderzusetzen, mit denen man sich bisher in diesen Zusammenhängen noch nicht auseinandergesetzt hat.

Ich gebe ehrlich zu, zu jedem dieser einzelnen Punkte, könnte ich noch seitenlang schreiben und vermutlich wäre es ein totales Wirrwarr, weil mir zu jedem Punkt viele kleine Details und Fragen einfallen und vielleicht finde ich irgendwann mal die Zeit, diese alle zu Papier zu bringen (wird dann vermutlich ein Buch werden) aber vermutlich eher nicht.

Es war schon jetzt ziemlich schwierig alles kurz zu halten (und ja, ich weiß, es war nicht kurz, sondern ist jetzt sogar ziemlich lang geworden).

Wenn Sie es bis hierher geschafft haben, bedanke ich mich fürs Lesen und freue mich auf Ihr Feedback zu meinen Gedanken und spannende Diskussionen zu den obigen Themen. Gerne jederzeit als E-Mail, Whatsapp-Nachricht oder auch in einem persönlichen Gespräch (ich hoffe, im neuen Jahr wieder mehr Zeit zu finden, mit jedem Einzelnen von Ihnen längere Gespräche führen zu können und wieder mehr Zeit für jeden Einzelnen und Ihre Anliegen haben zu dürfen).

Ich darf Ihnen zum Abschluss noch einmal meine besten Wünsche für das kommende Fest, die Feiertage und Silvester übermitteln.

Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie, Ihren Liebsten, Ihrem Umfeld, Ihren Mitarbeitern, Ihrem Unternehmen als Ganzes auf diesem Weg ein friedliches, ruhiges, besinnliches, entspanntes und vor allem wunderschönes Weihnachtsfest. Einen guten Rutsch ins neue spannende Jahr 2022 - auf eine gute Zusammenarbeit und ein Wiedersehen im neuen Jahr freue ich mich

Danke für Ihr Vertrauen, das Sie in mich und mein gesamtes Team setzen.

Beste Grüße,
Magdalena Heschik