Der BREXIT und seine Auswirkungen

Das Ausscheiden vom Vereinigten Königreich (im Folgenden: UK) aus dem Binnenmarkt, der Zollunion und dem harmonisierten Umsatzsteuergebiet der EU hat direkte Folgen für österreichische Firmen mit Kunden und Geschäftspartnern in Großbritannien oder Nordirland. Für Sie haben wir die wichtigsten Themen betreffend Export, Import, Zoll, Steuern sowie Einreise und Aufenthalt zusammengefasst:


EXPORT, IMPORT UND ZOLL

Einfuhrzölle für Waren, die nicht als Erzeugnisse der EU oder UK gelten

Es wurde ein Handels- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und UK ausgehandelt, das grundsätzliche alle Waren von Zöllen befreit sofern diese den festgelegten Ursprungsregeln entsprechen. Waren, die nicht als Erzeugnisse der EU oder UK gelten, werden demnach mit Zöllen belastet.

Zollfreie Ursprungswaren sind Waren, die vollständig im Zollgebiet des Landes gewonnen wurden, aus dem sie ausgeführt werden (aus 100% Ursprungswaren oder teilweise aus Ursprungswaren hergestellt)

Einfuhrabwicklung inkl. Zoll- und Einfuhrabgaben

Wenn Ihr Kunde in UK nicht bereit ist, als Importeur aufzutreten, müssen Sie für die ordnungsgemäße Einfuhr Sorge tragen und entsprechende Zölle sowie Einfuhrabgaben entrichten. Hierzu gibt es einiges zu beachten:

Für den Import von Waren ist eine VAT Registrierung sowie eine britische EORI-Nummer nötig – letztes kann jedoch nur von Unternehmen mit einer Betriebsstätte in UK beantragt werden.

Alternativ kann ein Zollagent beauftragt werden, der das Einfuhrverfahren für Sie übernimmt. Erkundigen Sie sich je nach Sachlage nach den Haftungsbestimmungen.

Dreistufiges Zollverfahren

  • 01.01.-31.03.2021 – Inkrafttreten der Zölle und Zollverfahren (bis auf bestimmte Warengruppen kann die Zahlung und Erfüllung bis zu 6 Monate aufgeschoben werden)
  • 01.04.-30.06.2021 – Für Waren, die sanitären und phytosanitären Kontrollen unterliegen gelten strengere Regelungen – Details dazu HIER.
  • Ab 01.07.2021 – Ablauf des vereinfachten Zollverfahrens, Zölle und Abgaben werden zum Zeitpunkt der Einfuhr fällig.



STEUERN

Einfuhrumsatzsteuer für Warenverkehr

Für Lieferungen nach Großbritannien (England, Schottland, Wales) ist keine innergemeinschaftliche Lieferung mehr möglich und es muss somit die Einfuhrumsatzsteuer entrichtet werden.

Weitere Informationen bzgl. Regelungen zu Einfuhrumsatzsteuer und Deklarations- und Zahlungsfristen finden Sie unter folgenden Links:

Regelungen für Dienstleistungen

Für Dienstleistungen kann in vielen Fällen das Reverse-Charge-Verfahren angewendet werden. In diesem Fall geht die Steuerschuld auf den Leistungsempfänger über. Ausnahmen stellen z.B. Transportvermietung, Leistungen in Verbindung mit Land und Boden, bestimmte elektronisch erbrachte Leistungen, Veranstaltungen und Catering dar. Weitere Infos zur Anwendung des Reverse-Charge-Verfahrens finden Sie HIER.

Regelungen für Versandhandel

  • Sendungen < GBP 135,00 sind zollfrei und mit "normaler" UK-USt zu versteuern
  • Sendungen > GBP 135,00 müssen verzollt werden

Sonderfall Nordirland

Nach Nordirland ist weiterhin eine innergemeinschaftliche Warenlieferung möglich. Für den B2C-Versandhandel nach Nordirland ist die umsatzsteuerliche Abrechnung in Österreich über den geplanten One-Stop-Shop möglich – Nähere Infos dazu werden wir in Kürze in einem gesonderten Beitrag behandeln. Dienstleistungen sind von dieser Regelung nicht betroffen.

Mehrwertsteuerrückerstattung

Für österreichische Unternehmen, die in UK eine Leistung beziehen war es bisher möglich sich die bezahlte britische Umsatzsteuer zurückzuholen. Dieses Verfahren wird durch eine direkte Beantragung bei der britischen Steuerbehörde ersetzt – HIER finden Sie weiterführende Informationen dazu.



EINREISE UND AUFENTHALT

Seit dem 01.01.2021 ist der freie Personenverkehr mit UK nicht mehr möglich, dies betrifft vor allem auch Geschäftsreisen, Montageeinsätze, Anstellung von Nicht-UK-Bürgern sowie Intercompany Transfer.

Kurzfristige Entsendungen

EU / EEA Bürger können auch nach dem 1.1.2021 ohne Visum für bis zu 6 Monaten einreisen. Die genauen Einreisebestimmungen bzw. die erlaubten Tätigkeiten finden Sie HIER.

Regelung zur Sozialversicherung bei Geschäftsreisen & Montagetätigkeit in UK

Die jeweiligen MitarbeiterInnen bleiben in Österreich versichert, außer deren Entsendung dauert länger als 24 Monate oder es wird durch die Entsendung ein/e andere/r MitarbeiterIn ersetzt.



Zusammenfassung zum Download: Brexit Zusammenfassung

Diese Kurzzusammenfassung beinhaltet die wichtigsten Punkte, die zu beachten sind. Wenn Sie jedoch konkrete Fragen betreffend Ihres Unternehmens und der Zusammenarbeit mit Großbritannien haben, sind wir gerne für Sie da.

Quellen: