Cash is fesch - nur Bares ist Wahres!

Wie lange reicht Ihre Liquidität?

In den vergangenen Monaten stellten sich UnternehmerInnen folgende Fragen in ziemlich häufigen Intervallen:

  • Werden wir diese Situation wirtschaftlich überleben?
  • Wie sieht es mit der Liquidität aus?

Passend zu diesen Fragen sind auch die folgenden: Wie beginnt eine Insolvenz überhaupt und wann stellt man eigentlich fest, dass man ein Problem hat? Welche Phasen durchläuft man dabei? Generell lassen sich folgende drei Phasen erkennen, bevor man feststellt, dass es nicht mehr weitergeht:

  • Strategische Krise (Managementfehler, strategische Fehlentscheidungen usw.)
  • Ertragskrise (Das Produkt bringt weniger Umsatz und Gewinn.)
  • Liquiditätskrise (Das Unternehmen auf der „Intensivstation“)

Gerade in diesen schwierigen Zeiten, in denen Unternehmen von einen Tag auf den anderen schließen müssen, ist nicht von der ersten Krisenphase die Rede, sondern sofort von Phase drei. Entweder sind keine Cash- oder Liquiditätsreserven vorhanden oder viele wissen nicht, wie diese ermittelt werden oder was zu tun ist.


Als Steuerberatung sind wir im Laufe der Zeit zum Krisenmanager geworden, der nicht nur die gesetzliche Rahmenbedingungen betrachtet, sondern auch auf flexible und strukturierte Weise Ihre Anliegen behandelt – Transparenz, ständiger Austausch und das gewisse Fingerspitzengefühl stehen dabei stets im Zentrum unseres Handelns.


Wie geht man also an die angesprochenen Herausforderungen heran?

  • Wissen Sie, wie lange Ihr Unternehmen liquiditätsmäßig ohne Umsätze überlebt bzw. die Liquiditätsreichweite berechnet wird?
  • Haben Sie sich dazu bereits öfters mal Gedanken gemacht?
  • Haben Sie Liquiditätsplanungen?
  • Betreiben Sie regelmäßiges Liquiditätsmanagement? Und was ist das überhaupt?

Von Zahlungsunfähigkeit wird vor allem dann gesprochen, wenn die laufenden offenen Rechnungen zum jetzigen Zeitpunkt (sofort fällige Rechnungen) nicht mehr beglichen werden können, weil Kontokorrentrahmen zur Gänze ausgeschöpft sind. Ein Unternehmen kann seine liquide Situation dann als ausreichend betrachten, wenn die zu erwartenden Zahlungen der nächsten drei Monate ohne Einplanung von etwaigen Umsätzen mit den vorhandenen liquiden Mitteln gedeckt und bestritten werden können.

Es muss beurteilt werden, ob es sich nur um eine Zahlungsstockung handelt, oder ob tatsächlich eine Zahlungsunfähigkeit vorliegt – dabei helfen folgende Schritte:



Schritt 1 – Finanzstatus:
Sind mehr fällige Schulden als bereite Zahlungsmittel vorhanden?

  • Unter „bereite Zahlungsmittel“ fallen:
    • Liquide Zahlungsmittel (Kassa, Bank, ausschöpfbare Kreditlinien etc.)
    • Leicht und kurzfristig verwendbares Vermögen, z.B. gedeckte Schecks, Wechsel, Wertpapiere, Edelmetalle
  • Fällige Schulden sind:
    • Nur Geldschulden (Sachleistungen werden nur dann berücksichtigt, wenn deren Nichterfüllung zu Geldschulden führt)
    • Erst künftig fällige Schulden werden hier nicht berücksichtigt


Beispiel für den Finanzplan zum Stichtag X:

Variante A

Variante B

Variante C

Bargeld
/ verfügbares Bankguthaben

80

80

80

Kurzfristig verwertbares Vermögen

10

10

10

Sofort disponierbare
unausgenützte Kredite

13

8

3

Summe
bereite Zahlungsmittel

103

98

93

Am Stichtag X
fällige Geldschulden

-100

-100

-100

Liquiditätsüberdeckung
bzw. -lücke

3

-2

-7

In Prozent

3%
Überdeckung

-2%
Liquiditätslücke

-7%
Liquiditätslücke

😊

😊

😐

Zahlungsfähig

Da unter 5%,
Zahlungsstockung
= za
hlungsfähig

Nur dann Zahlungsstockung,
wenn ein positiver
Finanzplan vorliegt

Schritt 2 – Planungsrechnung:
Ist das ein Dauerzustand oder nur eine kurzfristige Erscheinung?

  • Anforderungen an den Finanzplan: Schlüssig, realistisch, nachvollziehbar
  • Zeitrahmen für die Behebung einer Zahlungsstockung: Drei Monate (höchstens fünf Monate, wenn mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit die Liquiditätsschwäche beseitigt werden kann)
  • Laufende Überwachung und Einhaltung des Plans sind unbedingt erforderlich!


Beispiel für den Finanzplan für Variante C:

Erster Monat

Nach Stichtag X

Zweiter Monat

Nach Stichtag X

Dritter Monat

Nach Stichtag X

Liquiditätslücke Stichtag X
/ Saldo Monatsanfang

-7

-4

-11

Erwartete Zahlungseingänge

Laufender Geschäftsbetrieb

150

150

150

Aus Anlagenverkäufen

3

3

13

-

40

-

Zu erwartende Zahlungsausgänge

Für den laufenden Geschäftsbetrieb

-120

-120

-120

Kreditraten und Zinsen

-20

-20

-20

Für Investitionen

-

-50

-

Privatentnahmen

-10

-10

-10

Saldo am Monatsende

-4

-11

2

Zahlungsfähigkeit
voraussichtlich
binnen 3 Monaten
wiedererlangt,
Zahlungsstockung,
d.h. zahlungsfähig 😊



Doch die wesentliche Frage ist:
Wer setzt sich denn in „guten Zeiten“ damit aktiv auseinander?


Eine laufende Finanzplanung ist wichtig

Leider wird monatlich, wenn überhaupt, oft nur der Gewinn/Verlust ermittelt – mittels des vielsagenden und hoffnungsvollen Blicks auf das Bankkonto (meistens geht es jedoch 1,5 Monate später nur um die Frage aller Fragen: „Wieviel muss ich am 15ten an das Finanzamt zahlen?).

Doch wo bleibt die laufende Liquiditätsplanung – zwölf Wochen bzw. drei Monate im Voraus?

Um diese zu ermitteln – ist es erforderlich zeitnah und rasch seine Belege und seine Zahlen im Griff zu haben; und wenn man nur damit anfängt die eigene Buchhaltung so auf Vordermann zu haben, dass man zumindest am Monatsende weiß, wie hoch die laufenden Zahlungen sind und was einen erwartet.


Empfehlung von Sofortmaßnahmen:

Sollte dennoch der Fall eintreten und ein Liquiditätsengpass drohen, ist schnelle Hilfe und schnelles Handeln gefragt. Die folgenden Sofortmaßnahmen – die jeder kennen sollte – können dabei helfen:

  • Rasche Analyse der vorhandenen Liquidität und Cash-Puffer,
  • Rasche Analyse, wo Ratenzahlungen oder Stundungen bei Lieferanten möglich sind,
  • Rasche Kontaktaufnahme mit Banken,
  • Rasche Kontaktaufnahme mit Finanzamt und Krankenkassen
  • Rasche Analyse, welche zahlungskräftigen Kunden Zahlungen vorziehen können,
  • Rasche Analyse der nicht so zahlungskräftigen, eher säumigen Kunden, um Forderungen noch schneller eintreiben zu können,
  • Aufschieben von nicht unmittelbar notwendigen Investitionen
  • Analyse jeder einzelnen Ausgabenposition,
  • Wöchentliche Analyse der Liquidität mittels eines kurzfristigen Finanzplans

Nutzen wir also die Chancen, die neue Situationen mit sich bringen! Wenn Sie Fragen zu diesem Thema haben, setzen Sie ich gerne mit uns in Verbindung! Wir stehen Ihnen gern unterstützend zur Seite! Herausfordernde Bedingungen erfordern mehr Wissen – und was Heraklit schon damals wusste:


„Die einzige Konstante im Universum ist die Veränderung“.