Betriebswirtschaft - Liquidität / Know your figures

Wenn dir Steine in den Weg gelegt werden, draufsteigen, Aussicht genießen und weitergehen.

Betriebswirtschaft


Im Zuge der letzten Wochen hat sich ein Thema im Unternehmerleben ganz deutlich herauskristallisiert - Liquidität.

Die steuerliche Komponente ist üblicherweise ein ganz zentraler Bestandteil bei allen Investitionsentscheidungen und bei allen üblichen Themen im Unternehmerleben. Oft erhält man die Frage - was ist günstiger? Kaufen oder Leasen oder doch auf Kredit?

Meine übliche Antwort ist meistens - ist ausreichend Liquidität vorhanden? Was bedeutet ein Kredit? Was bedeutet ein Leasingvertrag.

Die steuerliche Komponente hat oft kaum Auswirkung auf den steuerlichen Gewinn am Jahresende (außer wir sind nicht mehr beim "kleinen Mittelstand" bei welchem dann von Working-Capital-Optimierung gesprochen wird und Kennzahlen entsprechend verfolgt und optimiert werden sollen) - aber sehr wohl eine Auswirkung hat die liquide Situation des Unternehmers eine direkte Auswirkung auf die Geldtasche.

Im Zuge der Krise wurde eines deutlich:

Gleichgültig wie gut die steuerliche optimale Gestaltung war - im Endeffekt zählt, was an wirklichem Geld auf dem Bankkonto, Sparbuch uvm verblieben ist.

Die wesentliche Frage - die ich auch immer wieder predige:

Geld in der Tasche zu haben, welches direkt verfügbar ist, zählt oft mehr als eine Steuerersparnis von ein paar Prozentpünktchen. Noch dazu, weil man diese Steuerersparnis oft nicht mal direkt merkt - da Steuern einfach immer zu zahlen sind.

Eine wesentliche Komponente bei der Betrachtung der eigenen Liquidität - ist auch hinsichtlich der Beurteilung der Zahlungsunfähigkeit von Unternehmen - ist folgende Berechnung:

  1. Wie hoch sind meine regelmäßigen Ausgaben, wie hoch sind meine aktuell vorhandenen offenen Rechnungen?
  2. Wieviel Liquidität in Form von Guthaben bzw. nicht ausgenutzten Kontokorrentrahmen habe ich zum jetzigen Zeitpunkt?
  3. Bin ich die nächsten 2 Monate in der Lage mit diesem vorhandenen Geld alle meine Zahlungen zu begleichen ohne in Schwierigkeiten zu kommen?

Wenn ich letzte Frage mit "ja" beantworten kann, dann liegt keine unmittelbare Zahlungsschwierigkeit vor.

Wenn ich dieses letzte Frage nicht mit "ja" beantworten kann, dann sollte die eigene liquide Situation genau unter die Lupe genommen werden um zu sehen, ob ein unmittelbare Zahlungsschwierigkeit bzw. Zahlungsunfähigkeit droht oder eventuell sogar ein Insolvenzbedarf vorliegt.

Diese Frage ist auch die wesentlichste bei der Betriebsgründung. Was passiert, wenn ich keinerlei Umsätze mit meiner Idee erwirtschafte? Wie geht es weiter? Wie sieht mein Rettungsanker aus? Habe ich einen? Oder lande ich im freien Fall und kann mir mein normales Leben nicht mehr leisten?

Was brauche ich um überleben zu können? Wie hoch sind meine privaten Verpflichtungen? Wie lange komme ich ohne Geld aus? Was kann ich einsparen?

Gerade in der jetzigen Situation darf nicht ausser Acht gelassen werden, dass alle Stundungen, Kredite und zeitgleich Zahlungen von offenen Rechnungen im schlimmsten Fall zu einer Konkursverschleppung und einer Gläubigerbevorzugung führen können und damit zu Haftungsthemen im Zusammenhang mit Insolvenzeröffnungen, wie zB fahrlässige Krida uvm.

Gerade für GmbH Geschäftsführer ist es daher gerade jetzt sehr ratsam bei jeder Begleichung und jeder Aussetzung/Stundung von Zahlungen zu hinterfragen, ob diese nicht zu persönlichen Haftungsrisiken führen können und auf einmal aus einer beschränkten Haftung eine unbeschränkte werden kann.

Ebenso ist gerade jetzt bei der Erstellung der Jahresabschlüsse das in Österreich ganz wesentlich verbreitete Vorsichtsprinzip auch während des Jahres verstärkt zu beachten und mitzuführen. Was kann im schlimmsten Fall passieren? Welche Aufwendungen können im schlimmsten Fall noch auf mich zukommen? Bei jeder Entscheidung muss diese Komponente immer mitgeführt werden und entsprechende Szenarien geplant werden. Gerade jetzt auch in Verhandlungen mit Banken ist die berühmte kaufmännische Vorsicht ganz oben auf die Prioritätenliste zu setzen um keine unfinanzierbaren Risiken einzugehen.

Ein weiteres Thema das sich auch herausgestellt hat - das Thema: kenne ich meine eigenen Zahlen?

Die Unternehmer, die momentan entspannt sind, sind solche - die ihre Zahlen ganz genau kennen und genau wissen, welche Auswirkungen, welche Faktoren haben. Diese haben sich mit ihren Zahlen immer schon auseinandergesetzt und ein Verständnis für die Zusammenhänge entwickelt. Sie können Bilanzen und Gewinn-/Verlustrechnungen lesen, wissen um das Wirken von Rückstellungen, Abgrenzungen und anderen Einflussfaktoren auf ihre Zahlen und haben von daher kaum Probleme mit Banken oder auch mit Bankgesprächen.

Unternehmer, die ihre Zahlen üblicherweise als lästige Aufgabe betrachten und diese nur für die Steuererklärung, die Erstellung der UVA, dem Steuerberater liefern, und das ganze als lästige Pflichtübung betrachten - stehen jetzt oft vor unlösbaren Problemen oder bekommen Panik.

Oft hilft es hier sich in weiterer Folge vielleicht doch mal in Grundlagen Kurse zu diesen Themen zu setzen um zumindest eine grundsätzliche Ahnung zu entwickeln, was das alles bedeutet.

Know your figures - dieser Leitsatz sollte sich in jedem Unternehmer festbrennen und zur Grundlage aller Entscheidungen werden.